Geschichte der Pfarrkirche St. Georg

Die Errichtung der Pfarrei Westendorf reicht mindestens ins 7. Jahrhundert zurück, doch ist erst für das Jahr 1070 der Bau eines Oratoriums bzw. einer Kapelle zu Ehren der heiligen Maria und der heiligen Gertrud durch den Augsburger Bischof Embriko von Leiningen (1063 bis 1070) überliefert. In der Frühzeit lag das Kirchenlehen der Pfarrei zunächst bei den Truchsessen von Kühlenthal, kam jedoch1361 an das Hochstift Augsburg. Ab dieser Zeit bis zur Säkularisation 1803 wirkten die Präfekten von Kühlental als hochstiftische Pflegsverwalter oder Vögte.

Der Standort der ersten Kirche, vielleicht auch des Oratoriums von 1070, lag wohl bereits auf dem heutigen Kirchhügel. Dieser romanische Kirchenbau, von dem sich

keine Spuren erhalten haben, wurde durch einen gotischen Kirchenbau ersetzt, der sich laut einer beim Neubau 1691 zum Vorschein gekommenen Bauinschrift auf das Jahr 1491 datieren lässt. Zeitgleich ist auch die Weihe eines Altars mit dem Patrozinium der

Jungfrau Maria, der Märtyrer Sebastian und Valentin sowie der heiligen Katharina für den 23. Oktober 1491 durch Bischof Friedrich II. Graf von Zollern dokumentiert.

 

1664 wurden das Langhaus sowie der Turm von Maurermeister Georg Brugger repariert und wohl auch im barocken Zeitstil teilweise erneuert. Zur 1670 abgeschlossenen Ausstattung dieser Kirche gehörten u. a. der Hochaltar und zwei Seitenaltäre, eine 1673 vollendete Gemeinschaftsarbeit von Schreiner Georg Schlucht aus Dillingen, Bildhauer Johann Michael Guggenbichel aus Dillingen und Fassmaler Johann Catusch aus Donauwörth. Die Kanzel, die vier Kirchenstühle und die Orgelempore dieser Ausstattungsphase sind als Werke von Schreiner Christoph Narciss aus Westendorf gesichert. Die Kirchturmuhr lieferte vermutlich Alexander Ellgass aus Donauwörth.

Im Jahre 1691 kam es dann eher unfreiwillig zu einem umfassenden Neubau, denn bei Reparaturarbeiten am Dachstuhl waren die Langhauswände und Teile des Chors der im Kern mittelalterlichen Kirche eingestürzt. Beibehalten wurden die Grundmauern des Chors und der Turm, während das Langhaus etwas größer war, als das der alten Kirche (aber kleiner als bei der heutigen Kirche) neu aufgeführt wurde. Der Name des Baumeisters ist in den Quellen nicht genannt.1703 wurden Ölberg und Vorzeichen durch Jörg Radmiller aus Holzen errichtet.

 

Die größte Baumaßnahme, die dem gegenwärtigen Erscheinungsbild der Kirche entspricht, fand in den Jahren 1739 bis 1741 statt und ist im wesentlichen dem Engagement von Dekan und Ortspfarrer Johann Evangelist Waibel (geb. 1686 in Schwabmünchen, Pfarrer in Westendorf 1717 bis 1763) zu verdanken. Als Architekt war zunächst der Dillinger Hofmaurermeister und Stuckateur Balthasar Suiter vorgesehen, der einen Bauriss und einen Überschlag in Höhe von 6207 fl. eingereicht hatte. Generalvikar Dr. Johann Adam Nieberlein sprach sich jedoch letztlich für den Füssener Baumeister Franz Kleinhans aus, dessen Überschlag um 1000 fl. günstiger war als der von Suiter. Allerdings geht die Autorschaft von Kleinhans am Westendorfer Bauentwurf nicht aus dem eigentlichen Aktenvorgang oder den Baurechnungen hervor, sondern beruht auf einem von Pfarrer Waibel Anfang August 1743 verfassten Empfehlungsschreiben für den Kirchenbau in Fristingen. Noch im Herbst 1739 wurde mit der Beschaffung der Baumaterialien begonnen: Ziegel kamen aus Kühlenthal und Markt; Gips, Kalk und Holz transportierten Flößer den Lech abwärts aus Füssen; Pflastersteine bezog man aus Neresheim, Eisen aus Augsburg. Am 29. Oktober 1739 nahm man die Abbrucharbeiten in Angriff: Man trug das Chorgewölbe und die Turmgeschosse oberhalb der Schalllöcher ab – später sicher auch Mauerwerk des Langhauses –, während die unteren Mauerpartien in den Neubau einbezogen wurden. Im folgenden Frühjahr nahmen die Bauarbeiten am 25. April ihren Anfang. Als Palier von Baumeister Franz Kleinhans fungierte Jakob Kleinheinz, als Zimmermeister Jakob Thomamüller aus Westendorf (dessen Initialen „ITM” finden sich am Lastenaufzug im Dachstuhl) und als Fassmaler Johann Jacob Schubarth aus Oberhausen.

Noch im März/April 1740, also unmittelbar nach Baubeginn, schloss Pfarrer Waibel die Akkorde für die Innenausstattung mit den bedeutendsten schwäbischen Künstlern ihrer Zeit: zum einen mit den in Augsburg ansässigen Wessobrunnern Ignaz und Johann Finsterwalder, die für die Stuckaturen 500 fl. erhielten, zum anderen mit dem Augsburger Maler Johann Georg Wolcker, der um 300 fl. sämtliche Deckenbilder und um 60 fl. die zehn Leinwandbilder im Schiff ausführen sollte. Die Maurerarbeiten, die Stuckausstattung und die Freskierung konnten dank der umsichtigen Vorplanungen von Pfarrer Waibel und Baumeister Kleinhans noch 1740 abgeschlossen werden.

Im Jahr darauf wurden der Hochaltar und zwei Aufsätze zu den Nebenaltären vom Sontheimer Kistler Johannmichael Bertele zum Preis von 625 fl. geliefert, Johann Georg Wolcker malte ebenfalls 1741 das Hochaltarblatt und das Auszugsbild um 160 fl. Den gleichen Betrag erhielt Andreas Fuchs, Orgelmacher von Donauwörth, für ein neues Orgelwerk. Vervollständigt wurde die Ausstattung mit einer neuen Kanzel, drei Beichtstühlen, einem Tabernakel und 70 Gestühldocken, die Bertele1742 mit 336 fl. 20 kr. in Rechnung stellte. Drei ebenfalls einheimische Kräfte – Anton Schmuttermayr, Franz Hampp und Martin Haindl – übernahmen alle anderen Schreinerarbeiten.

Das aus vier Glocken bestehende Geläut wurde von Glockengießer Johannes Weber aus Augsburg angefertigt. Letztlich beliefen sich die Baukosten auf über 10.600 fl., davon allein 6400 fl. für den Kirchen- und Turmbau, mehr als 1800 fl. für das Geläut und 1180 fl. für die Altäre. Doch war die Finanzierung nicht zuletzt durch eine Anleihe in Höhe von 6.000 fl. von der vermögenden Kirchenstiftung der Ostendorfer Filiale gesichert; hinzu kamen Zustiftungen der Rosenkranzbruderschaft und zahlreicher Privatpersonen. Es sollte allerdings noch einmal 18 Jahre dauern, bis die Kirche am 25. Juli 1759 ihre Weihe vom Augsburger Generalvikar Franz Xaver Adelmann von Adelmannsfelden erhielt.

 

Bis heute hat sich der Zustand des Neubaus von 1740/41 ohne größere Eingriffe

erhalten, es fanden lediglich mehrere bestandserhaltende Maßnahmen statt: So wurde ab 1798/99 der Kirchturm mehrmals repariert, 1833 kam es zu einer Überarbeitung sämtlicher Leinwandbilder durch den Kirchenmaler Winkelmann aus München. Eine erste größere Restaurierung der Raumschale samt Stuckdekoration und Altararchitekturen führte Martin Hölzle aus Augsburg 1837/38 durch. 1843 erhielt der Außenbau auf Veranlassung von König Ludwig I. eine ockerfarbige Fassung. Vermutlich 1850 ersetzte man den barocken Hochaltar durch eine neue Altaranlage, ebenso wurden die Seitenaltäre entsprechend dem neuen Hochaltar umgestaltet.

Eine weitere Außenrenovierung, die Maurermeister Anton Radmüller aus Wertingen durchführte, geschah 1868. Zugleich renovierte Peter Rist aus Augsburg die Fresko und Leinwandgemälde, Fassmaler Balthasar Weber die Stuckaturen. Die Gemälde wurden neuerlich im Jahr 1900 von Maler Luitpold Heim aus Augsburg restauriert. Nach den Maßnahmen von 1936 (Außenbau), 1953/54, 1971 (Außenbau) und 1978/79 gelang besonders der jüngsten umfassenden Renovierung von 1998 die Wiederherstellung der originalen Raumschale und der Rekonstruktion der ursprünglichen Farbigkeit des Außenbaus. Zugleich erhielt der Innenraum durch die Anschaffung eines neuen Volksaltars und weiterer Ausstattungsstücke einen behutsam modernen Akzent.

 

Außenbau

 

Die einzelnen Bauteile des in der Ortsmitte auf einem ummauerten Hügel gelegenen Kirchengebäudes sind klar voneinander geschieden: im Osten der Chor, dessen Kanten von Strebepfeilern verstärkt werden; nördlich der siebengeschossige Turm mit quadratischem Unterbau, über dem sich, vermittelt über ein segmentbogig geschwungenes Gesims, das oktogonale Obergeschoss mit zugespitzter Mansardhaube erhebt; dem Turm gegenüber, an der Südseite, der zweigeschossige Sakristeianbau; nach Westen schließlich das von vier Fensterachsen durchbrochene Langhaus, dessen Südseite zwei Treppenaufgänge (für die Kanzel und für das Oratorium) angefügt sind; nördlich ein quadratisches Vorzeichen. Die relativ sparsame Verwendung gliedernder Putzelemente setzt sich auch an der zurückhaltend instrumentierten Westfassade fort: Der Giebel, der sich vom Unterbau durch ein kräftiges Kranzgesims absetzt, schwingt in flachen S-Bogen nach oben und wird von einer Dreiecksverdachung bekrönt. Im unteren Giebelfeld sitzen zwei rundbogige Aufzugsluken, von denen die nördliche zugemauert ist. Zu unbekannter Zeit, doch noch vor Mitte des 19. Jahrhunderts, wurde auch das Westportal – eine einfache Ädikula-Architektur mit gesprengtem Schweifgiebel – zugesetzt.

Als Vertreter der Füssener Bauschule setzt Kleinhans bei den Rundfenstern von Langhaus und Chorschluss erwartungsgemäß einfache, venezianisch beeinflusste Putzrahmungen mit Schluss- und Kämpfersteinen ein, wie sie Johann Jakob Herkomer 50 Jahre zuvor in die schwäbische Architektur eingeführt hatte. Einen außergewöhnlichen Blickfang bieten dagegen die Fenster der beiden Chorseitenwände: Hier finden wir jeweils ein großes, dreipassförmiges und darunter ein kleineres herzförmiges Fenster. Diese Formen bedeuten zunächst eine ornamentale Behandlung von Fensteröffnungen, wie Kleinhans diese u. a. auch in Oberostendorf, Bobingen oder St. Stephan in Augsburg vornimmt – hierin dem Spätwerk seines Lehrers Johann Georg Fischer und noch mehr dem genialen Dominikus Zimmermann nahestehend. Darüber hinaus lassen sie sich aber auch als Symbole für den dreieinigen Gott und für die Liebe Gottes zu den Menschen in Form des Herzen Jesu interpretieren, denn unmittelbar hinter den Fenstern vollzieht sich im Innern des Chors am Altar das heilige Messopfer. Originalität beweist Kleinhans auch in der Gestaltung des mittelalterlichen Turmes, dem er ein neues Obergeschoss aufsetzt: Er umfängt die gekoppelten Schallöffnungen im letzten quadratischen Geschoss mit Putzrahmungen und bindet sie zusammen mit dem sich aufwölbenden Abschlussgesims in einen ornamentalen Kontext ein. Auch bei seinen späteren Kirchtürmen werden Tendenzen zur Ornamentalisierung wirksam, in gesteigertem Maß etwa beim Kirchturm von Pfrontenberg. Zudem zeichnen sie sich durch ihre schlanken Proportionen und elegant geschweiften Hauben aus. So gehören für die Kunst- und Heimatforschung Kleinhans´ Turmbauten aus gutem Grund „zum Besten und Schönsten, was er geschaffen hat“ (Adolf Layer).

 

Zur weiteren Außenanlage der Kirche zählt die 1953 völlig erneuerte Friedhofsmauer. An deren Nordseite ist eine kleine Kapelle angebaut, die 1785 wohl anstelle eines seit dem 17. Jahrhundert bestehenden Seelhäusles errichtet wurde. Sie beherbergte ursprü̈nglich einen Altar und einen großen Kruzifixus, der sich bis zur Renovierung (1740/41) in der Pfarrkirche befunden hatte, dazu die Figuren der Heiligen Johannes und Maria. Die Figuren mussten 1936 dem Einbau der Lourdes-Grotte weichen, die sich seit 1890 zwischen den Strebepfeilern des Chors befunden hatte. Die heute noch vorhandene hölzerne Statue der Lourdes-Madonna wurde 1890 von Alois Egenberger aus Günzburg geschnitzt. Der Kruzifixus aus der Kapelle, eine bedeutende gotische Arbeit von ca. 1510, war nach dem Zweiten Weltkrieg für einige Zeit am Chorschluss angebracht und hängt heute in der Kirche zu Waltershofen. Ein wohl noch aus gotischer Zeit stammendes zweites Seelhäusle, das einen Johannes-Altar enthielt, wurde bereits 1799 abgebrochen, außerdem gab es ein „Unschuldig-Kinder-Häusle“, das Ende des 18. Jahrhunderts letztmalig repariert wurde und wohl im frühen 19. Jahrhundert verschwand. Die heutige Kriegergedächtnisanlage auf der Nordseite des Kirchhofs wurde 1993 von Landschaftsarchitekt Walter Herb aus Thierhaupten geplant. Im Mittelpunkt stehen das Kreuz und die beiden Gedächtnissteine aus schwarzem Marmor mit den vergoldeten Namen der Vermissten und Gefallenen des Zweiten Weltkrieges. Diese Teile wurden schon bald nach dem Krieg von der Firma Vent aus Meitingen geschaffen, während der Granitblock mit den beiden zusätzlichen Namenstafeln 1993 hinzukam.

Innenraum

 

Das Kircheninnere bietet dem heutigen Besucher in Bezug auf Architektur und Ausstattung das weitgehend einheitliche Erscheinungsbild der Umgestaltung von 1740/41. Ihr ist auch das geräumige Langhaus zu verdanken, ein einschiffiger, ausgeglichen proportionierter Saalraum, der von einer flachen Korbbogentonne überwölbt wird. Den Raum erhellen vier hohe Rundbogenfenster- Paare, die mit flachen Stichkappen ins Gewölbe einschneiden. An den Wandflächen zwischen den Fenstern steigen Doppelpilaster auf, von deren Gebälkstücken ein Gesimsband ausgeht. Wie im großen Hauptbau der Füssener Schule, der Klosterkirche St. Mang in Füssen, lässt Kleinhans das Gesims jedoch an den Fenstern nicht abbrechen, sondern führt es in geohrten Konturen um deren Scheitel. In das westliche Langhausjoch ist die zweigeschossige Orgelempore eingebaut, deren Erscheinung vom allzu wuchtigen Orgelprospekt aus dem Jahre 1969 überlagert wird. Zugang zur Empore bieten zwei zylindrisch ummauerte Wendeltreppen in den westlichen Raumecken. Der Chor ist gegenüber dem Langhaus eingezogen und von diesem durch einen architravierten Chorbogen geschieden. Den inneren Kanten des Dreiachtelschlusses sind Pilaster vorgelegt. Sie leiten über in Pendentifs, denen eine längsovale, beide Fensterachsen überspannende Flachkuppel, aufliegt. Die westlichen Fenster wiederholen die Dreipassform der östlichen, sind wegen der beiderseitigen Anbauten – Turm bzw. obere Sakristei – jedoch nur als Blindfenster ausgebildet. Die Wandflächen darunter nehmen Oratorien mit vorkragenden Brüstungen und Türen zum Turm (links) und zur Sakristei (rechts) ein. Nicht nur die Anlage des Langhausaufrisses, sondern auch die Disposition des hell durchlichteten Chors zeichnen den Kirchenraum als charakteristisches Werk der Füssener Schule aus: Wie in vielen Bauten Johann Georg Fischers greifen im Chor zweitaktiger Wandaufriss und zentralisierender Kuppelraum ineinander. Allerdings ist das Westendorfer Langhaus nicht mit der gewohnten Geschmeidigkeit angefügt: Die östlichen Langhausecken sind weder ausgerundet noch abgeschrägt, sodass eine gewisse Zäsur im Raumfluss entsteht; durch den großen Chorbogenausschnitt und die damit verbundene optische Anbindung des Chores macht sich diese jedoch nicht störend bemerkbar. Der Stuck Eine bedeutsame, wenn auch nicht dominierende Rolle im Raumganzen ist der Stuckdekoration der Brüder Finsterwalder zugewiesen. Dabei unterstreicht die Farbfassung des Stucks in Rot-, Grau- und Grün- Tönen (von Johann Jacob Schubarth, 1740) seine eigenständige Rolle, die sich in Formenreichtum und Grosszügigkeit der Konzeption niederschlägt, dies besonders bei den seitlichen Freskokartuschen und in den Freiflächen an Gewölbe und Wand von Langhaus und Chor. So sind die sechs kleineren Bildrahmen im Langhaus aus Rocaille-Elementen zu außergewöhnlich üppigen Kartuschen komponiert, die untereinander durch seitlich ab - gehende Blütengehänge in Verbindung stehen. Jedes dieser Gehänge wiederum läuft auf eine kleine Kartusche zu, die den Scheitelpunkt der Stichkappen überspielt; die Kappen der äußeren Fensterachsen sind dagegen mit langgestreckten Kartuschen besetzt, die mit den Rahmen der vierpassförmigen Bildfelder verklammert sind. Einen Blickfang bieten die rot gefassten figürlichnaturalistischen Elemente, wie sie am Chorbogen als Füllhörner, Blumenschalen, Wolken und Putten auftreten oder auf den Gesimsen als freiplastische Engel mit sog. Maienbuschen (Blumenvasen). Damit erhält der Stuck eine über das rein Ornamentale hinausgehende Rolle im Ausstattungsprogramm.

 

Die entlang der Langhauswände in Flachnischen stuckierte Reihe der Zwölf Apostel als lebensgroße Flachreliefs – ebenfalls 1740 gefasst – lehnt sich an Apostelreihen mit Schnitzfiguren an, wie sie vom Ende des 17. Jahrhunderts an in eine Reihe von schwäbischen und bayerischen Kirchen Eingang fanden, doch dürften die Brüder Finsterwalder konkret auf Joseph Schmuzers stuckierte Apostelreihe in Pfaffenhofen (1723/24) zurückgegriffen haben, wenngleich Physiognomien und Gewandbehandlung große Nähe zu Ehrgott Bernhard Bendels Apostelfiguren in Holzen aufweisen. In prächtigen Rocaille-Rahmen sind auf der Nordseite seitlich der Fenster (von West nach Ost) die Apostel Simon, Bartholomäus, Judas Thaddäus, Johannes Ev., Andreas und Petrus, auf der Südseite Jakobus d. J., Matthäus, Philippus, Thomas, Jakobus d. Ä. und Paulus aufgereiht. Besonders bemerkenswert ist die Fassung der Figuren in Polierweiß (mit partieller Vergoldung), die – im Sinne der Materialästhetik des 18. Jahrhunderts – eine Ausführung in weißem Marmor illusioniert. Abgesehen von den manchmal etwas bizarren Detailformen – so etwa beim Auszug der Apostelnischen – , stehen die Terwalder mit ihren Westendorfer Stuckaturen qualitativ auf der Höhe der Zeit: Es ist die Zeit um 1735/40, die stilistisch den Übergang vom sog. Bandelwerk – dem von französischer Regence-Ornamentik geprägten Dekorationsstil – zum Rokoko markiert, dessen Leitmotiv der muschelförmige C-Bogen darstellt. Und es ist gerade dieser Ablösungsprozess, der sich hier in einem schon zurückgedrängten Bandelwerk, aber einem noch nicht voll ausgebildeten Rocaille-Stil vollzieht und die Westendorfer Stuckdekoration damit als bemerkenswertes Dokument eines Stilwechsels ausweist.

 

Fresken

Anders als die Stuckdekoration, der zumeist nur die Aufgabe eines gattungsmäßigen Brückenschlages zwischen Architektur und malerischer Ausstattung zufällt, ist die Freskomalerei im Kirchenraum prädestiniert, theologische Inhalte zu transportieren. So sind sämtliche Deckengemälde im Langhaus der Gottesmutter gewidmet: Das mit der unzutreffend rekonstruierten Signatur „G. Wolkert. 1746“ (anstatt 1740) versehene Mittelbild thematisiert die Verbreitung des Rosenkranzgebetes über die ganze Erde. Im Zentrum eines von Architektur ausgegrenzten Wolkenhimmels steht die Verleihung des Rosenkranzes durch die heiligen Maria an den heiligen Dominikus, der zusammen mit der heiligen Katharina von Siena zu ihren Füssen kniet. Während ein Engel auf diese Anbetungsszene verweist, präsentiert ein zweiter Engel den Rosenkranz allen Völkern der Erde: Die allegorischen Figuren der vier bekannten Erdteile gruppieren sich, eine Triumphaltreppe emporsteigend, um den Erdenball und die kirchlichen Insignien und huldigen dem Rosenkranz mit Flammenherzen. Besonders an diesem mit großer Detailfreude und breiter Farbpalette ausgeführten Deckenbild wird die generelle Abhängigkeit Wolckers von den Kompositionen seines Lehrers Bergmüller deutlich, der eine ganz ähnliche Bildanlage für Fulpmes plante. Die Themen der übrigen Fresken sind der Lauretanischen Litanei entnommen, in ihnen huldigen Heilige und Engel der heiligen Maria – vertreten durch das Monogramm ihres Namens – als Regina Angelorum (Königin der Engel), Regina Patriarchorum (Königin der Kirchenväter), Regina Prophetarum (Königin der Propheten), Regina Apostolorum (Königin der Apostel), Regina Martyrum (Königin der Märtyrer), Regina Confessorum (Königin der Bekenner), Regina Virginum (Königin der Jungfrauen) und Regina Sanctorum Omnium (Königin aller Heiligen).

 

Orientieren sich die beiden längsaxialen Fresken und in ihrer Farbgebung am Hauptfresko, so treten die anderen zur Vermeidung eines allzu unruhigen Gesamteindrucks farblich zurück und sind nur in Gelb- bzw. Rottönen ausgeführt, vergleichbar dem Magnuszyklus von St. Mang in Füssen. Die Fresken im Chor haben den Kirchenpatron, den heiligen Georg, zum Thema. Das ovale Hauptbild zeigt die Verleihung der Märtyrerkrone an den heiligen Georg durch Christus unter Assistenz Gottvaters und des heiligen Geistes, begleitet von einer Vielzahl von Engeln. Wiederum haben wir es mit einem triumphalen Architekturprospekt zu tun, der den Blick auf den Schauplatz des heiligen Geschehens, den Wolkenhimmel, freigibt. Ein beachtenswertes Detail ist die Figur des heiligen Erzengels Michael links unten: Neben seinem Attribut, dem Kreuzstab, hält er einen Plan mit der Außenansicht des neuerrichteten Westendorfer Kirchenbaus. Die vier in Grisaille-Malerei ausgeführten Freskokartuschen der Pendentifs enthalten weibliche Allegorien, die das Leben des heiligen Georg kennzeichnen: Fide confortatus (durch den Glauben gestärkt), Spe nutritus (von Hoffnung genährt), Caritate inflammatus (von Liebe entflammt) und Fortitudo ex altis (Kraft aus der Höhe). Das Fresko in der Kartusche über dem nördlichen Chorfenster zeigt den heiligen Georg vor dem heidnischen Richter Dacian, durch sein Gebet die Götzenbilder stürzend. Südlich sehen wir Christus, der dem heiligen Georg im Gefängnis Trost spendet. In den beiden Blendfenstern wurden 1900 Bildnisse der Heiligen Aloysius und Kreszentia hinzugemalt, die man 1954 wieder ent fernte.

 

Die Ölgemälde

Neben den Deckengemälden schuf der Freskant Johann Georg Wolckerin Westendorf zur selben Zeit auch eine Reihe bemerkenswerter Tafelbilder (Öl auf Leinwand), die sämtlich erhalten sind. So finden wir an den Brüstungen der Oratorien und der unteren Orgelempore einen Gemäldezyklus, der sich mit dem Thema der Sieben Heiligen Sakramente befasst:

Das linke Bild des nördlichen Oratoriums zeigt die Firmung eines Jünglings durch einen Bischof, das rechte die Taufe Jesu im Jordan. Auf der Südseite sehen wir links die Eucharistiefeier Jesu mit seinen Jüngern, rechts die Sünderin Maria Magdalena, die Buße tut, indem sie die Füsse Jesu salbt und mit ihren Haaren trocknet. Die Fortsetzung des Zyklus geschieht an der unteren Orgelempore mit dem linken Bild, auf dem die Schlüsselübergabe Jesu an Petrus die Ordination (Priesterweihe) veranschaulicht. Rechts ist das Sakrament der Ehe durch die Verlobung Mariä und Josephs vor dem Hohepriester dargestellt. Im Bild an der Rückwand des unteren Emporengeschosses (dorthin beim Einbau des Orgelprospekts 1969 versetzt) erhält ein bettlägeriger Mann die Krankensalbung.

Besonders bei den Bildern mit architektonischer Hintergrundstaffage wird deutlich, wie sehr Wolcker auch bei kleinformatigen Bildern der Augsburger Schultradition des frühen 18. Jahrhunderts verpflichtet ist, selbst wenn Kolorit und kontrastierende Lichtführung auf die Jahrhundertmitte verweisen. Dagegen sind die drei Gemälde an der oberen Empore bzw. an der Rückwand, die musizierende Engelsscharen darstellen, von einer bestechend lockeren, venezianisch anmutenden Figuralkomposition und einer exquisiten Farbpalette, wie man sie dem sonst eher konservativen Wolcker kaum zutrauen würde. Unterhalb der Apostelreliefs umzieht die Langhauswände ein Zyklus von 14 Kreuzwegstationen, die 1767 anstelle von Wandleuchtern in die schildförmigen Putzrahmen eingepasst wurden. Künstler ist der Augsburger Maler Franz Regis Göz, der erst 1774/75 für die „sehr fein und zierlich gemahlten Creuz Weeg Stationen“ 132 fl. erhielt. Die Stationen VIII, XII, XIII und XIV wurden im Zuge der Renovierung 1868 wegen irreparabler Schäden durch neue Bilder ersetzt.

 

Altäre und liturgische Ausstattung

Über die Entstehung des heutigen Hochaltars bleiben die Quellen eine definitive Antwort schuldig, doch ist für das Jahr 1850 eine weitgehende Erneuerung belegt. Immerhin entspricht seine gesamte Disposition – der weite Abstand der Doppelsäulen, die bandartige Verkröpfung des Gebälks, der architektonisch angelegte Aufbau des dreiteiligen Auszugs – so sehr einem um 1740 verbreiteten Altartypus, dass nicht ausgeschlossen werden kann, dass man sich bei der Neugestaltung 1850 an der Anlage des alten Altars orientierte bzw. Teile von ihm wiederverwendete: Dieser wurde von Johann Michael Bertele am Georgstag 1741 fertiggestellt, war jedoch zunächst noch ungefasst. In den heutigen Altar übernahm man davon das versenkbare Hochaltarblatt, das den Kampf des heiligen Georg mit dem Drachen zeigt, und das Auszugbild mit der Enthauptung des heiligen Georg, beide von Johann Georg Wolcker (1741), während die beiden Dachungsengel dem Altar von 1673 angehörten und damit Johann Michael Guggenbichel zuzuweisen sind. Dem Hochaltar von 1741 entstammen ebenfalls die beiden 1742/43 angefertigten, heute zwischen den Doppelsäulen aufgestellten Figuren des heiligen Sebastian (links) und des heiligen Fabian (oder auch: Karl der Große) (rechts), wohl Arbeiten des Dillinger Bildhauers Johann Michael Fischer. Die Anlage des Altars als Schaubühne mit vergoldeter Figurennische ist dagegen zweifelsohne einer Neugestaltung des 19. Jahrhunderts zu verdanken; die Muttergottes schnitzte Johann Evangelist Stiefenhofer 1868.

Zugleich mit dem ganzen Altar wurde 1850 auch der Tabernakel, den Bertele 1741 geschaffen hatte, durch einen neuen ersetzt. Nachdem man 1725 die alten Seitenaltäre abgebrochen und an einen Dillinger Schreiner verkauft hatte, fertigte dieser zwei neue zum Preis von 315 fl. an: den heutigen Josephsaltar (nördlich) und den Nepomukaltar (südlich). 1741 erhielten beide Altäre neue Auszüge von Bertele, die wiederum im 19. Jahrhundert, vermutlich gleichzeitig mit der Aufstellung des neuen Hochaltars 1850, durch neue Auszüge ersetzt wurden. Die gegenwärtigen Altäre zeigen einen identischen Aufbau: Auf den Kastenstipes folgt eine hohe Sockelzone mit schräggestellten Volutenkonsolen, die jeweils eine Säule tragen; das schweifbogig hochschwingende Altarbild wird von Knickpilastern gerahmt. Auf die gerade geführte Gebälkzone folgt schließlich der zweifach geschwungene Auszug mit dem Herzen Jesu in der Mitte, umgeben von Wolken und einem Strahlenkranz. Das Gemälde des nördlichen Altars zeigt den heiligen Joseph mit dem Jesusknaben und Engeln, die ihnen huldigen bzw. ihre Attribute vorzeigen; das südliche Altarblatt stellt die Glorie des heiligen Johannes von Nepomuk dar.

Beide Altarblätter sind vorzügliche Werke von Johann Baptist Enderle aus Augsburg, die er laut Signatur und Datierung auf dem Bild des Josephsaltars 1770 oder 1779 schuf. Dieses flankieren die modern gefassten Figuren des heiligen Antonius von Padua – von JohannMichael Guggenbichel, 1674 – und der heiligen Maria Magdalena (um 1740), auf der Mensa steht eine stark überfasste Pietà (um 1740). Seitlich des Altarbildes vom Nepomukaltar sehen wir links den heiligen Leonhard (um 1740), rechts den heiligen Christophorus (um 1712), der dem Dillinger Bildhauer Joseph Anton Libigo zugeschrieben wird. Anstelle der modernen Christusfigur kommt in der Karwoche auf der Mensa der Tabernakel (wohl 1850) zur Aufstellung. Entsprechend den Forderungen des 2. Vatikanischen Konzils nach einer stärkeren Einbeziehung der Gemeinde bei der Eucharistiefeier gibt es zusätzlich zum Hochaltar auch in Westendorf einen Volksaltar. Er wurde 1998 von Bildhauer Joachim Kraus aus hellem Juramarmor und weißvergoldetem Metall geschaffen. Nach eigener Aussage bilden Pflanzenstudien die Grundlage seines Entwurfs. Durch die ovale Grundform, kombiniert mit vegetabilen Elementen, sowie durch die Wahl der verwendeten Materialien soll eine angenehme Leichtigkeit erreicht werden, welche die Transparenz des Altarraums nicht beeinträchtigt.

Rückseitig unterhalb der Mensa führt eine ovale Metallplakette vier Glaubenszeugen auf, von denen Reliquien in den Altar eingelegt wurden. Dies sind: der heiligen Simpert (778 bis 807), Bischof von Augsburg, Patron des Bistums; die heiligen Theresia Benedicta a Cruce (Dr. Edith Stein, 1891 bis 1942), Märtyrerin; der sel. P. Rupert Mayr (1876 bis 1945), Prediger und Verfolgter des Hitler-Regimes; Dr. Max Josef Metzger (1887 bis 1944), Märtyrer und Gründer des Christkönigs-Instituts in Meitingen. Nach denselben Formprinzipien sind auch der Ambo, die Osterkerze und die Sedilien gestaltet, ebenfalls von Joachim Kraus, 1998. Wie die Quellen berichten, gab es noch zwei weitere Altäre: zum einen den Kreuzaltar, an dessen Kruzifixus ein silbernes Herz am roten Band hing. Dieser Altar, dessen Standort unbekannt ist, wurde unter Dekan Kucher um 1790 abgebrochen. Von diesem Altar stammt möglicherweise der um 1740 entstandene Kruzifixus, der sich früher an der Nordwand gegenüber der Kanzel und jetzt hinter dem Hochaltar befindet. Zum anderen wird öfters ein Johannes-Altar genannt, mit dem evtl. die heute am nördlichen Chorbogenpfeiler angebrachte Figur Johannes des Täufers, wohl von Joseph Anton Libigo, um 1720, in Verbindung steht.  

Die Kanzel

Johann Michael Bertele, der maßgebliche Bildhauer beim Kirchenbau von 1740/41, war auch zuständig für die „Herstöllung einer benöthigten neuen Kantzel“. Diese zeigt einen dreiseitig konkaven, von Lisenen gegliederten Corpus, einen kelchförmigen, mit Muschelmotiv endigenden Fuß und einen gerundeten Schalldeckel, über dem sich die Figur des heiligen Michael auf einer von Spangen gebildeten Volutenkonsole erhebt. Weitere figurale Elemente sind zwei Puttenköpfe am Rand des Schalldeckels, die Heilig-Geist-Taube an dessen Unterseite sowie die vier vergoldeten Evangelistensymbole (Stier = Lukas, Engel = Matthäus, Adler = Johannes, Löwe = Markus) am Corpus. Die gesamte formale Anlage der Kanzel verrät eine Vorliebe des Künstlers für bewegte, expressive, teils etwas bizarre Formen (so etwa der Zackenrand des Schalldeckels bei den Puttenköpfen oder die große Ornamentkartusche am Corpus), wodurch sie die hohe Qualität der übrigen Ausstattung nicht ganz erreicht. Anders die Schnitzfiguren, die ein ausgezeichnetes Formverständnis kennzeichnet. Bei ihnen handelt es sich wohl um Arbeiten von Johann Michael Fischer aus Dillingen.

 

Die Beichtstühle

Der Neubau brachte 1741 auch die Anlage von zunächst drei Beichtstühlen, zu denen Martin Haindl die Holzkonstruktion und Bildschnitzer Johann Michael Bertele die „Klaydung” lieferte. Nach 1767 kam es dann zur Anlage von zwei weiteren Beichtstühlen in derselben Art, wiederum durch Martin Haindl, von denen einer später wieder abgebrochen wurde. Die jeweils unter den beiden östlichen Langhausfenstern in die Wand eingelassenen Beichtstühle besitzen zwei schweifbogige, von Bandelwerk-Lisenen gerahmte Öffnungen. Den Auszug bilden konkav gebogene Rocaillen, die von einer Palmette bekrönt werden. Da stilistische Parallelen zu den Auszügen der stuckierten Apostel-Nischen vorhanden sind, kann angenommen werden, dass Bertele hier nach Entwürfen der Brüder Finsterwalder gearbeitet hat.  

 

Das Gestühl

Vielleicht ebenfalls nach Entwürfen der Finsterwalder entstanden 70 qualitätvolle Docken (Wangen) der Kirchenstühle im Langhaus, von denen sich noch 66 erhalten haben. 1740 erhielt Bertele für deren „Schneidung“ 58 fl. 20 kr., seine zwei Gesellen bekamen 48 fl., den Holzaufbau besorgte Martin Haindl. C-Bogen, die teils aus Akanthusranken bestehen, teils mit Muschelrand besetzt sind, legen die bewegten Umrisse fest. Die Binnenfelder enthalten vor allem Bandelwerk-Ornamentik, die schmalen Docken der ersten hinteren Bankreihe ohrenförmig geschwungene Felder mit Rosette, während die Docken der ersten vorderen Bankreihe kompliziert verschlungene C-Bogen und muschelförmiges Blattwerk aufweisen. Die beiden identischen dreisitzigen Chorbänke links und rechts des Hochaltars sind Arbeiten von Franz Hampp, 1740. Besondere Aufmerksamkeit verdienen das reiche Bandelwerk in den Lisenen, die Akanthus- Schnitzereien in den Wangen, der mit Brokatflächen versehene Aufsatz der Rückwand und die sternförmigen Intarsien in den kassettierten Brüstungsfeldern. Obwohl das Chorgestühl gleichzeitig mit den anderen Schnitzwerken angefertigt wurde, verweisen die statische Gliederung und das Fehlen jeglicher Rokoko-Motivik auf die vorhergehende Stilstufe.

 

Der Taufstein

Eines der wenigen Ausstattungsstücke, das aus der alten Kirche übernommen wurde, ist der aus Solnhofer Stein gearbeitete Taufstein. Die einzelnen Abschnitte – quadratischer Sockel, Sockelplatte, achteckiger Schaft, ionisches Kapitell, muschelartig geriefeltes, rundes Becken – sind sorgfältig und handwerklich präzise gearbeitet, wobei das bewusst unausgewogene Verhältnis der Teile zueinander als Formprinzip des Manierismus zu erkennen ist. Diese Einordnung wird auch durch die unterhalb des Kapitells eingehauene Jahreszahl „1.6.1.4” bestätigt, die das Jahr der Anfertigung bzw. Stiftung mitteilt.

Die Orgel

Die Westendorfer Pfarrkirche erhielt 1679 ihre erste Orgel, die dem Kloster Maria Stern in Augsburg um 40 fl. abgekauft worden war. Sie wurde 1721 durch Orgelbauer Johann Berz aus Augsburg auf 6 Register verbessert. Für den Neubau von 1740/41 lieferte der Donauwörther Orgelbauer Andreas Fuchs eine Orgel mit 8 Registern, die bereits 1774/75 als „völlig verdorben” bezeichnet wird und durch Joseph Allgayer, Orgelmacher aus Wasseralfingen, um 30 fl. instand gesetzt werden musste. Nach weiteren Reparaturen 1797/98 und 1837 wurde sie 1868 von Orgelbauer Michael Mayr aus Wertingen auf Pariser Stimmung umgestellt und schließlich 1907 durch ein neues Instrument von Julius Schwarzbauer aus Mindelheim ersetzt; den Prospekt fertigte Kunstschreiner Simon Hörmann aus Babenhausen an. Die heutige Orgel baute Hubert Sandtner aus Dillingen/Donau 1969. Dabei handelt es sich um eine mechanische Schleifladenorgel mit 19 klingenden Registern, die auf zwei Manuale und Pedal verteilt sind. Während das Hauptwerk und das Pedalwerk in der Brüstungsorgel untergebracht sind, steht das Oberwerk als Positiv über dem Spieltisch. Die Disposition erfolgte nach Entwurf von Prof. Anton Göttler, Augsburg.

 

Die Glocken

Bis zur umfassenden Barockisierung besaß die Westendorfer Pfarrkirche drei Glocken, wohl aus dem 15. oder 16. Jahrhundert. Dieses Geläute im Gewicht von zusammen 2142 Pfd. wurde 1741 von Johannes Weber, Stück- und Glockengießer aus Augsburg, in Zahlung genommen und zu vier neuen Glocken umgegossen. 1909 zersprang die kleinste Glocke und wurde durch eine neue von Glockengießer Hamm aus Augsburg ersetzt. An deren Stelle trat 1929 die sog. Ignazglocke, die von der Familie Singer anlässlich der Primiz ihres Sohnes Ignaz gestiftet wurde. Wie in so vielen Orten in Deutschland, musste man während des Zweiten Weltkrieges auch in Westendorf das Geläute abliefern, um aus dem so gewonnenen Metall Kriegswaffen herzustellen; lediglich die Ignazglocke sollte am Ort verbleiben. So wurden am 3. März 1942 die drei größeren Glocken nach Hamburg abtransportiert. Doch entgingen sie dem Einschmelzen und konnten nach Kriegsende durch den Westendorfer Bürger Josef Fleiner auf dem Hamburger Glockenfriedhof identifiziert werden. Am 5. Juli 1947 kehrte die große Glocke zurück, am 15. August 1948 folgten die beiden kleineren Glocken. Im Jahre 1994 erhielt das untere Geläute mit den beiden großen Glocken einen neuen Glockenstuhl durch die Zimmermeister Georg und Robert Ziesenböck.

 

Grabdenkmäler und Gedächtnistafeln

In und außerhalb der Westendorfer Pfarrkirche gibt es insgesamt 18 Grabplatten von historischem Interesse. Besondere Erwähnung verdient Platte Nr. 2 für Matthäus Schiegk, Pfleger zu Kühlental, die im nördlichen Vorzeichen angebracht ist. Sie zeigt in der Mitte das Wappen des Verstorbenen sowie oben und unten die Grabinschrift in einer ungewöhnlichen Mischschrift aus gotischen Minuskeln und Kapitalis-Buchstaben: „Anno d(omi)ni [M . D] / . XXXVII . den . 14 [.] / juni . starb . Mattus / schiegk. Pfleger. Zu / killental . Dem gott / . X . gnaD . X .”

 

Es handelt sich im Einzelnen um folgende Grabdenkmäler:

Außen

1. An der nördlichen Langhauswand: Kleine Grabtafel mit Priesterkelch und Datierung 1418

2. Im nördlichen Vorzeichen an der inneren Westwand: Grabplatte für Matthäus Schiegk, Pfleger zu Kühlental, 1537

3. An der rechten äußeren Stirnseite des nördlichen Vorzeichens: Grabtafel für Pfarrer Benedikt Böck, geb. 21. März 1737, gest. 12. Februar 1815

4. An der linken äußeren Stirnseite des nördlichen Vorzeichens: Grabtafel für Pfarrer und Dekan Johann Nepomuk Bautenbacher, gest. 8. November 1809

5. An der südlichen Sakristeiwand: Grabtafel für Pfarrer Friedrich Wagner, gest. 1800 im Alter von 88 Jahren

6. Am südöstlichen Strebepfeiler des Chors: Grabtafel für Pfarrer Conrad Schreiner, geb. 26. November 1822, Pfarrer seit 12. August 1847, gest. 12. Juni 1897

7. An der inneren westlichen Friedhofsmauer: Grabplatte für Maria Schenckh, gest. 17. November 1671, gesetzt von Sattler Johannes Schenckh

8. Rechts an der Lourdeskapelle, untere Reihe links: Grabtafel für Carl Ignaz Anton Stich, geb. 8. September 1779, gest. 1. November 1779

9. Rechts an der Lourdeskapelle, untere Reihe mittig: Grabtafel für Ludovica …, gest. 1791

10. Rechts an der Lourdeskapelle, untere Reihe rechts: Grabtafel für Elisabeth Carolina Stich, geb. 10. September 1780, gest. 2. Ok tober 1780

11. Rechts neben der Lourdeskapelle an der Friedhofsmauer: Unleserliche Grabplatte, wohl für Jacob Dorfmüller, gest. 3. Mai 1675, und Anna Dorfmüller, gest. 12. Mai 1675 12. Rechts neben 11: Grabplatte für Maria Euphrosina Deffner von Bachhagl, Gemahlin des Pirmin Örtl, Präfekt in Kühlental, gest. 5. Dezember 1690

13. Rechts neben 12: Grabplatte für Johann Bartholomäus Weinmayr, gest. 1. Dezember 1771 im Alter von 46 Jahren; Carolina Weinmayr, gest. 8. Dezember 1776 im Alter von 52 Jahren

14. Rechts neben 13: Grabtafel für Kaplan Christian Schmidtner, gest. 1655

 

Innen

15. Langhaus, Boden am Chorantritt: Grabplatte für Pfarrer Laurentius Lederer, gest. 15. September 1690

16. Chor, Boden: Grabplatte für Pfarrer Johann Evangelist Waibel, gest. 9. Mai 1763 im Alter von 77 Jahren

17. Nördliche Chorwand: Grabplatte für Pfarrer Johann Nepomuk Bautenbacher, der 25 Jahre lang Pfarrer von Hirschbach war, ab 1787 Dekan und ab 1797 Pfarrer in Westendorf, gest. 5. November 1809 (vgl. Platte außen)

18. Südliche Chorwand: Grabplatte für Pfarrer Florian Lochbronner, gest. 2. März 1785

 

Folgende Gedächtnistafeln befinden sich im Inneren der Kirche:

1. Nördliche Langhauswand rechts neben dem Eingang: „Gedächtnistafel für die in den Kriegen 1866 und 1870/71 Gefallenen “: Leonhard Eding, Willibald Kapfer, Karl Rosa, Josef Senning. Die mit „Hörman(n)” signierte Tafel oben mit vergoldetem Relief eines Tropaion (drapierte Waffenstücke)

2. Nördliche Langhauswand neben dem Seitenaltar: „Ehren-Denkmal” für die in den napoleonischen Kriegen 1805 bis 1815 Gefallenen aus Nordendorf: Benedikt Fischer (1814), Andreas Fischer (1813), Anton Fischer (1809), Lorenz Schmid (1812), Leonhard Pröbstle (1812), Joseph Fischer (1812), Mathias Fischer, Anton Hörman, Bernhard Gollinger (1814)

3. Südliche Langhauswand neben dem Seitenaltar: „Gedächtnis-Tafel” für die in den napoleonischen Kriegen 1805 bis 1815 Gefallenen aus Westendorf: Joseph Heindl (1809), Xaver Schildhelm, Ignatz Kugler, Andreas Mayer, Sebastian Gump, Bernhard Eisele, Michael Mayer, Ulrich Mayer, Johann Gramer, Caspar Proell, Anton Gaul, Mathes Walzer, Benedikt Leichtler, Johann Oberstaller.

4. Westliche Langhauswand: „Ehrentafel” (Schaukasten) fur die Teilnehmer am Ersten und Zweiten Weltkrieg. Enthalten sind insgesamt 289 Schilder mit den Namen von Kriegsteilnehmern aus allen Gemeindeteilen, davon sind 48 Schildern die Orden und Tapferkeitsmedaillen beigegeben.

 

Würdigung

Mit der Renovierung von 1739 bis 1742 erhielt Westendorf einen der schönsten Kirchenbauten in Mittelschwaben, da ausschließlich qualitativ hochrangige Künstler herangezogen wurden, die Hand in Hand arbeiteten. Derselbe Trupp, bestehend aus Johann Georg Wolcker, Ignaz Finsterwalder und Johann Michael Bertele, hatte bereits zwei Jahre zuvor die unweit gelegene Schlosskirche in Markt aufs Prächtigste ausgestattet, doch bleibt die dortige „zellenmäßige“ Architektur allenfalls zweitklassig, da sie sich von den aktuellen Tendenzen hin zum flutenden Gesamtraum völlig unbeeindruckt gibt und auch den Ausstattungskünsten keinen adäquaten Entfaltungsraum gewähren kann. Anders in Westendorf, wo Franz Kleinhans einen angenehm proportionierten Saalraum mit durchgehenden Gewölbeflächen schafft. Das Ergebnis ist ein umfassendes, gattungsübergreifendes Zusammenspiel aller Künste, und dies auf erstaunlich hohem Niveau. Durch den glücklichen Umstand, dass die zahlreichen Renovierungen der letzten 250 Jahre den originalen Raumeindruck kaum nachhaltig gestört haben, sind auch wir heute noch in der Lage, die fröhliche, helle Atmosphäre des Kirchenraumes zu erleben, der seinen Höhepunkt im theologischen Bilderkonzept der Lauretanischen Litanei und in der Glorie des Kirchenpatrons St. Georg findet.

Dr. Ingo Seufert

 

Dieser Text stammt aus dem Büchlein: "Kath. Pfarrkirche St. Georg in Westendorf", Kunstverlag Josef Fink, 1. Auflage 2005, Preis 4 Euro. Der Kirchenführer ist erhältlich im Pfarrbüro und liegt in der Kirche aus.