Orientalische Hopfenjäger, fetzige Rhythmen und ein Seufzer von Herzen

Faschingsqueen "Vev" im Beisein des Pfarrfaschings-Initiators  Pfarrer Karl Kraus in den Ruhestand verabschiedet

Beste Unterhaltung, Schunkelrunden und viel Grund zum Lachen - das gab es auch heuer wieder für die Besucher des Pfarrfaschings in Westendorf. Für die Organisatoren und die vielen Akteure, die Jahr für Jahr mit viel Engagement, Talent und Freude ein mehrstündiges Bühnenprogramm auf die Beine stellen, bedeutet das Pfarrfaschings-Wochenende absoluten Ausnahmezustand. So auch wieder in diesem Jahr. An drei Tagen hintereinander standen die zahlreichen Akteure im Alter zwischen 4 und 86 Jahren auf der Bühne und boten ein buntes, abwechslungsreiches und kurzweiliges Programm, das die Lachmuskeln der vielen Besucher, die sich auch heuer wieder beim "Schmidbaur" im Gasthof "Zur Krone" eingefunden hatten, gehörig strapazierte. Westendorfs ehemaliger Pfarrer Karl Kraus hatte den Pfarrfasching, der nicht nur Jahr für Jahr die Westendorfer, sondern auch Besucher aus der näheren Umgebung anzieht, ins Leben gerufen. Die überaus beliebte Veranstaltung fand heuer bereits zum 37. Mal statt. Dabei stammen die Beiträge von Vereinen und Gruppierungen aus der Pfarrei St. Georg Westendorf.

 

Auch in diesem Jahr war alles wieder bestens organisiert - Pfarrgemeinderatsvorsitzende Marion Pröll hatte mit ihrem Team ganze Arbeit geleistet. Den Schirmherrn Pfarrer Norman D'Souza konnte sie heuer allerdings nicht zu Beginn des Pfarrfaschings begrüßen, da er gerade erst von der Pfarreifahrt nach Indien zurückgekommen war, dafür konnten sich alle über seinen Besuch des Pfarrfaschings am Sonntag freuen. Zum ersten Mal beim Pfarrfasching dabei waren Kaplan Sanoj und Diakon Michael Ey, diegemeinsam mit Westendorfs Bürgermeister Steffen Richter, Kühlenthals Bürgermeisterin Iris Harms, Meitingens Bürgermeister Dr. Michael Higl und Landtagsabgeordnetem Georg Winter herzlich von Marion Pröll begrüßt wurden.

Ihnen und den vielen Gästen wünschte sie einen vergnüglichen Abend und gute Unterhaltung und gab dann das Wort weiter an Conférencier Wolfgang Schulz, der mit viel Witz und sehr geschmeidig durchs Programm führte. 

 

Den Auftakt machten an allen drei Tagen die jungen Tänzer der Hip-Hop-Gruppen aus Kühlenthal: "Die Freddy's", "Power Magics", "Girls Explosion", "Oreos" und "Dance Heroes" heizten dem Publikum so richtig ein und sorgten sofort für gute Stimmung im Saal. "Die Wilden Hoppis und ihre Minis", die jüngsten Tänzer, standen dabei den "Großen" in nichts nach und animierten die Zuschauer ebenfalls sofort zum Mitklatschen. Moderator Wolfgang Schulz berichtete, dass die Tänzer bei regionalen Wettbewerben immer vorne mit dabei sind und schon mehrere Preise gewinnen konnten. Dafür wurden sie vom Publikum mit viel Beifall belohnt.

 

Es folgten die Ministranten von St. Georg, die heuer "in die Sauna" gingen. So titulierten sie frech den neuen Beichtstuhl in der Pfarrkirche. Mit ihrem "Satire-Aufguss" und vielen scharfzüngigen Seitenhieben auf das aktuelle Geschehen in der Pfarrei und im Dorfleben brachten sie - alle im Bademantel auf der Bühne stehend - die Zuschauer ganz schön ins Schwitzen.

Auf dem Maskenball" waren zwei Damen und zwei Herren der Freiwilligen Feuerwehr Waltershofen. Als Bienen verkleidet klagten sie ihr Leid über den "Biena-Mo", der zuerst nur schimpft und meckert, als er das eigens für ihn genähte Bienenkostüm anziehen soll, sich dann auf dem Maskenball aber prächtig amüsiert und sich keine Minute mehr mit seiner Frau abgibt, sondern die als Blumen verkleideten Damen auf dem Ball viel interessanter findet. Erst Stunden nach seiner Frau kommt der Bienenmann nach Hause und hat "ein bisschen zu viel Honig erwischt". Die Frauen wundern sich, "wie doch ein Mensch, speziell a Mo, si in a baar Stund' so verändra ka" und beschließen, im Fasching nie wieder als Biene zu gehen.

 

Der nächste Programmpunkt entführte die Zuschauer in die Welt der Mode: Bei ihrer "Hut Couture" begeisterten die Damen des Frauenbunds mit phantasievollen und ausgefallenen Hüten, dem neuesten Schrei in der Modewelt. Das hat Paris und Mailand noch nicht gesehen - vielseitige, praktische und ungewöhnliche Kopfbedeckungen kombiniert mit schönen Kostümen. Ein Blumentopf, eine Dose, ein Küchensieb und ein Obstkorb durften dabei ebenso wenig fehlen, wie ein Putzeimer, ein Kochtopf, ein Lampenschirm, eine Krone aus Besteck und ein Sonnenhut für den Einsatz am Badeweiher in "Bad Kühlenthal". Die aufwändig und liebevoll verzierten Hüte seien nicht nur eine Zierde für jede Frau, sondern zudem praktisch und preisgünstig, was besonders die Männer freuen dürfte. Einzig und allein beim "Modell Ascot müsse 'Mann' tiefer in die Tasche greifen", zudem ginge der Trend zum "Zweit-Hut".

Für große Erheiterung sorgte auch der Auftritt der "Ratschweiber" alias Inge Ihle, Maria Wiedemann und Georgia Kapfer, die heuer von Ernst Brötje unterstützt wurden. Ausgestattet mit Programmheft und Popcorn waren sie dieses Jahr im neuen Kino, berichteten auf sehr unterhaltsame Weise über Neuigkeiten aus dem Dorfleben und sorgten mit so mancher Anekdote für viel Gelächter. Nachdem alle Kinobesucher auf den richtigen Plätzen saßen, klagte Georgia Kapfer über den penetranten Geruch im Saal und ließ sich mehrmals von ihrem Angetrauten bestätigen, dass er frisch gebadet sei und auch Hemd und Socken gewechselt habe. "Aber selbstverständlich", entgegnete dieser, dem dieser Dialog in der Öffentlichkeit sichtlich unangenehm war. Zum Beweis habe er sogar die getragenen Socken in seiner Jacket-Tasche mit dabei. Zum Abschluss schenkten die Vier den Meitingern, die im Vorjahr ja einige Probleme rund um den Maibaum hatten, einen eigens vorbereiteten "Mehrzweckbaum". Dieser bestand zur einen Hälfte aus Tannengrün, das weihnachtlich geschmückt war, zur anderen Hälfte aus einem dürren Stamm, der mit Täfelchen geschmückt war. Dieser Baum lasse sich sowohl als Mai- als auch als Christbaum einsetzen. Feierlich wurde er nach Ende des Pfarrfaschings an Bürgermeister Dr. Michael Higl überreicht. 

 

Die Gymnastikgruppe Ostendorf nahm die Zuschauer mit auf eine Zeitreise, bei der verschiedenste Gymnastik-Trends der vergangenen Jahrzehnte gezeigt wurden. Garniert war das ganze mit den dazu passenden Outfits und sehr treffenden Ansagen, die so manchem die Lachtränen in die Augen trieben. Sport machen gebe einem das Gefühl, gut auszusehen - aber das mache Schnaps ja auch. Und wer regelmäßig Sport treibt, sich gesund ernährt, viel Wasser trinkt und ausreichend schläft - stirbt auch. 

 

Sehr geschickt wurde in der Darbietung der Zwerger-Mädels, die heuer als Köche auf der Bühne standen, in dem Lied "Wos is heit für a Dog" der wöchentliche Speiseplan musikalisch dargeboten. Jeder Wochentag hatte sein bestimmtes Gericht, dies wurde gesanglich bei immer schneller werdenden Wiederholungen dem Publikum schmackhaft gemacht. Nach einem Gebet in Reimform mit Dank für die verschiedensten Köstlichkeiten wie Himbeergeist, Kirschkompott, Sahne, Eis und Schweinebraten wurde auch eine Lobeshymne aufs Bier gesungen. 

 

Es folgte ein fulminantes Kochlöffel-Percussionstück, wobei sechs Kochlöffel mit hoher Geschwindigkeit auf den Küchentisch prasselten. Ein herzhaftes "Mahlzeit" beendete diesen gelungenen Auftritt.

 

Als "Orientalische Hopfenjäger" rockten die Jungs des VfL Westendorf die Bühne. In langen weißen Gewändern trugen sie den Sultan auf einer Sänfte auf die Bühne, um nach wohlschmeckenden Hopfengetränken Ausschau zu halten. Anschließend berichteten sie ihren "orientalischen" Frauen in einer tollen Tanzeinlage, was sie erlebt hatten. Der Clou daran: Beide Rollen übernahmen die Fußballer, was für viel Furore und ausgelassene Stimmung im Saal sorgte.

 

Ein Seufzer - aber von Herzen..." so lautete der Programmpunkt des Pfarrgemeinderats, bei dem auch Kirchenpfleger Erhard Tobiasch, der mit seiner Tuba eine ganz besondere Rolle übernahm, und die neue Pfarrsekretärin Maria Zwerger mitwirkten. Mit einem Augenzwinkern und viel Witz wurden diverse Körpergeräusche besungen und in unnachahmlicher Weise und mit viel Gefühl von Erhard Tobiasch mit der Tuba imitiert, was die Lachmuskeln der Zuschauer gehörig strapazierte. 

 

Ein besonderer Programmpunkt erwartete die Besucher am Sonntag-Nachmittag: 

Genoveva Spann, die "Vev", wie sie in Westendorf liebevoll genannt wird, die "Queen-Mum des Pfarrfaschings", die "Grande Dame des gepflegten Witzes" wurde in den Ruhestand verabschiedet. Vom Initiator des Pfarrfaschings, dem ehemaligen Pfarrer von Westendorf Karl Kraus, Pfarrer Norman D'Souza, den Pfarrgemeinderäten Marion Pröll und Franz Zwerger und Moderator Wolfgang Schulz wurde ihr der "Georgs-Orden in Gold", ein Blumenstrauß und eine Foto-Collage mit den Höhepunkten ihrer großartigen Faschingsauftritte überreicht. 

 

Alles hat seine Zeit", so die Westendorfer Faschingsqueen, die noch in dieser Woche ihren 87. Geburtstag feiern wird. 

Mit dem Lied "Muss i denn zum Städtele hinaus", unter tosendem Beifall und mit stehenden Ovationen wurde sie vom Publikum, zu dem sich an diesem besonderen Tag auch Pfarrer Ralph Putz und Kaplan Bernd Rochna gesellt hatten, verabschiedet.

 

Für beste Stimmung im Saal sorgte an allen drei Tagen der Musikverein Westendorf unter der Leitung von Bruno Wagner. Mit schwungvoller Unterhaltungsmusik und beliebten Medleys, die zum Mitsingen, Klatschen und Schunkeln einluden, hielten die Musiker das Publikum in Schwung.

 

Am Ende dankte Moderator Wolfgang Schulz den vielen Beteiligten, die auch heuer wieder zum Gelingen des Pfarrfaschings beigetragen hatten und ohne deren Engagement die Durchführung einer solch gelungenen Veranstaltung nicht möglich gewesen wäre: Der Hauptverantwortlichen Marion Pröll, den vielen Helfern im Hintergrund, Peter Domagalski und Christoph Sommer, die für die Technik verantwortlich waren, aber auch den zahlreichen Akteuren, die wieder ein tolles Programm auf die Beine gestellt haben, der Familie Schmidbaur für die Gastfreundschaft und gute Versorgung und nicht zuletzt den vielen, treuen Besuchern des Pfarrfaschings.

 

Der Pfarrfasching war auch heuer wieder ein besonderes Highlight für alle Beteiligten und ist aus dem Gemeindeleben in Westendorf nicht wegzudenken.

 

Elisabeth Zwerger