Von Detektiven, verjagten Störchen und ganz viel Klamauk

Pfarrfasching bot vier Stunden buntes Programm

Am ersten Februarwochenende fand in Westendorf bereits zum 35. Mal der über die Ortsgrenzen hinaus bekannte Pfarrfasching beim "Schmidbaur", im Gasthof „Zur Krone“ statt. Kurzweil und Klamauk waren angesagt, an dem rund einhundert Akteure aller Altersstufen aus den Ortsteilen Kühlenthal, Ostendorf, Waltershofen und Westendorf beteiligt waren. Mit ihren 86 Jahren war Genoveva Spann, die von allen liebevoll "Vev" genannt wird, die älteste Akteurin beim traditionellen Plausch der Ratschweiber auf dem Dorfplatz der kurzerhand dauf die Bühne verlegt wurde.

 

Pfarrgemeinderatsvorsitzende Marion Pröll, die mit ihrem Team in bekannter Manier den Pfarrfasching organisiert hatte, begrüßte neben Schirmherr Pfarrer Norman D´Souza auch die politische Prominenz aus Westendorf, Kühlenthal und Meitingen. "Auf der Bühne tobt das Leben, vor der Bühne seid das ihr!" Sie dankte allen Mitwirkenden vor, hinter und auf der Bühne, dass die Tradition des Initiators Monsignore Karl Kraus auch nach 35 Jahren weiterlebe. Nach Pfarrer Andreas Jall trage nun auch Pfarrer Norman D´Souza dazu bei, dass der Pfarrfasching seinen festen Platz im Gemeindeleben habe.

 

Den Auftakt machten die Kinder- und Jugendtanzgruppen aus Kühlenthal. Am Freitag stellten die "Powermagics" ihr Können unter Beweis. Am Samstag standen die erfolgreichen Jugendlichen "Dance Explosion" auf der Bühne. Bei der Vorstellung am Sonntag Nachmittag animierten die jüngsten Künstler des Wochenendes - die "Freddys" und "Die wilden Hoppis" - das Publikum zum Klatschen. An allen drei Abenden machten leiteten die jungen Tänzerinnen das bunte Treiben ein.

 

Im Anschluss folgte eine große Herde samt Hirten und Hütehunden: Die Ministranten von St. Georg standen als "Gscherte Schof" auf der Bühne; während ihre zwei Hirten schnarchten, ließen sie die Geschehnisse des vergangenen Jahres in Westendorf und Umgebung auf amüsante und scharfzüngige Weise Revue passieren. Unter anderem durfte da ein Hinweis auf das "explodierte" Weihrauchfass im Gottesdienst ebenso wenig fehlen wie ein Seitenhieb auf das Fest des Sportvereins VfL im vergangenen Jahr oder die Jacke von (Betreuer) Oliver Schneider, die in der Kirche Feuer gefangen hatte. Die neue Beleuchtung in der Kirche sei ja sehr schön, dumm sei nur, dass man nun erst recht die Spinnweben im Altarraum zu sehen bekomme.

 

Ganz ohne Worte kam die Gymnastikgruppe aus Ostendorf aus, als sie den "Rock´n Roll im Altersheim" auf die Bühne brachten - ein Rollator-Tänzchen der besonderen Art, dass die Lachmuskeln arg strapazierte.

 

Der Kirchenchor befand sich heuer im "Hochzeitsfieber" und bot - rund um dieses Thema - wieder ein abwechslungsreiches Gesangs-Potpourri an. Ein bunter Melodienstrauß aus bekannten und mitreißenden Liedern und hervorragende Solosänger ließen die Zuschauer begeistert mitklatschen und -singen.

 

Brigitte und Bettina Ziegler der FFW Waltershofen ließen die Besucher des Pfarrfaschings an ihren "nicht ganz andächtigen Gedanken" während des Gottesdienstes teilhaben. "Wer kommt wieder zu spät? Wer trägt was? Die neueste Hutmode? Wer singt nicht so besonders, wer stinkt so nach Silo und warum ist die Kniebank so hart?" Bei diesem Sketch wird sich der eine oder andere Zuschauer wiedererkannt haben.

 

Ganz im Kontrast dazu bot der VfL eine Tanzeinlage bei Schwarzlicht, die auch die Zuschauer ins Schwitzen brachte. Mit Gymnastikbällen, Schlagzeugsticks und ihren Kostümen zauberten die Damen eine Choreographie mit außergewöhnlichen Effekten. Das Publikum ließ die Gruppe nicht ohne eine Zugabe von der Bühne.

 

Eine Darbietung die nicht fehlen darf, ist alljährlich die der „Ratschweiber“, alias Inge Ihle, Georgia Kapfer, Maria Wiedemann und Genoveva Spann. Seit dem ersten Pfarrfasching sind die "Ratschweiber" mit dabei und berichten wie immer sehr gekonnt und mit viel Witz über das Dorfgeschehen. Den Bürgermeister beneideten sie um seinen schönen Blick aus dem Fenster des Rathauses auf den Dorfplatz - und beschwerten sich darüber, dass das schwarze Ding im Rasen ja keine Waage für die alten Damen sei, sonderen ein Trampolin ... und überhaupt hätten sich die Zeiten in Westendorf sehr geändert; stand mit Pfarrer Jall noch eine Espresso-Maschine im Beichtstuhl, rieche es nun beim neuen Pfarrer und dem Kaplan stets nach Tee. "Vev" berichtete von ihrem Ausflug aufs Oktoberfest und dass das Alter auch seine Vorteile habe, dürfe man doch ab 85 Jahren alle Fahrgeschäfte kostenlos nutzen.

Im Anschluss daran spielten Daniela und Bruno Cartaggine vom Bunker e.V. den bekannten Sketch "Palim Palim" von Didi Hallervorden mit perfekter Mimik und Gestik nach. Die "Flasche Pommes Frites" ist immer für einen Lacher gut und wurde als Geschenk von Moderator Wolfgang Schulz überreicht.

Direkt danach folgte "Väterli an Tower". Ein verzweifelter Pilot, der mit Angst und Sorge bemerkte, dass immer mehr Lichtlein in seinem Cockpit zu leuchten beginnen, bekommt letztendendes den Ratschlag vom Tower, die Hände zu falten und ein Vater unser zu beten. Das schauspielerische Können der Beiden wurde mit viel Applaus honoriert.

 

 Der Katholische Frauenbund klagte zur Melodie von "Felicita" die "Schicksalsmelodie der Frau" über Cellulite. Dabei standen die Damen in Leggings und Sportbekleidung auf der Bühne und berichteten gesanglich über ihre Erfahrungen mit Cellulite an "Popo und Bein". Dabei gab es immer wieder Zwischenapplaus, vor allem als geraten wurde, dass man trotz seiner Figur Süßigkeiten essen und die Cellulite vergessen solle.

Die Heimatbühne Westendorf bot bei ihrem Sketch Locus Amoenus oder "Der liebliche Ort" - eine soziologische Untersuchung auf dem öffentlichen Klo Einblicke in die Arbeit einer Toilettenfrau. Dabei standen Claudia Wagner und Georgia Kapfer als routinierte Theaterspielerinnen auf der Bühne.

 

Mit der Akte 2017 - einem lupenreinen Rückblick aus der Pfarreidetektei schweiften die Schwestern Elisabeth, Maria und Franziska Zwerger aus Waltershofen ins vergangene Jahr, das für die Pfarrei einige große Themen zu bieten hatte; Die Zuschauer stellen sich bei diesem Trio stets darauf ein, dass etwas Großartiges dargeboten wird, selbst geschrieben und getextet, sowohl Lieder wie auch die gesamte Handlung, dargeboten in unterscheidlichen Weisen und eingebettet in einen Handlungsrahmen - in jedem Jahr anders, immer wieder besonders und alles selbst choreographiert. Das Publikum zollte dies in gewohnter Weise mit großem Applaus.

In ihrer Darbietung nahmen die drei unterschiedliche Themen aus dem Pfarreileben der letzten Monate aufs Korn; fehlen durfte dabei natürlich nicht die Akte "Pfarrerwechsel und Pfarreiengemeinschaft". Darunter wieder einmal als verpackter Running-Gag die von Pfarrer Jall vergessene Speisenweihe zu Ostern 2015 und diverse Seitenhiebe auf seinen neuen Wirkungsort Starnberg hin. "Knallhart recherchierend" saßen die drei in ihrem Detekteibüro und besprachen sich über das weitere Vorgehen in den einzelnen Themen. Sie lobten den Generationen-Wechsel der Messnerinnen Inge Ihle und Barbara Durner, straften die Täter des abgesägten Christbaums auf dem Dorfplatz ab und bedankten sich bei der "Faschingsqueen" Vev Spann mit einem großen Blumenstrauß und einem Lied. Ein Klagelied folgte auf die Tatsache hin, dass das Storchennest vom Kirchendach verschwinden soll und sie riefen zum Sitzstreik oben auf dem Dach auf. Der Wechsel zur Pfarreiengemeinschaft und damit zu einem neuen Seelsorgeteam, allen voran mit Pfarrer Norman D´Souza zollten sie ein großes Lob auf die letzten Wochen der gemeinsamen Arbeit in der Pfarrei.

Den musikalischen Rahmen gestaltete der Musikverein Westendorf an allen drei Tagen des Pfarrfaschings - wofür sich der smarte Moderator Wolfgang Schulz und auch Marion Pröll in ihren Ansprachen herzlich bedankten.

 

Pfarrer Norman D´Souza, der den Pfarrfasching heuer zum ersten Mal mitgefeiert hatte, kam zu folgendem Fazit: "Bleiben Sie fröhlich und froh, so wie heute Abend, geben sie das weiter, das ist Fasching, so pflegt man Gemeinschaft, so wie sie es schon so lange hier tun. Ich freue mich, ein Teil dieser Gemeinschaft zu sein."