"Da steckt Herzblut drin"

Gut - Besser - Pfarrfasching in Westendorf

Pfarrfasching in Westendorf bedeutet beste Unterhaltung und viel Grund zum Lachen für die Besucher und absoluten Ausnahmezustand für die Organisatoren und die vielen Akteure, die Jahr für Jahr mit viel Engagement, Talent und Freude ein mehrstündiges Bühnenprogramm auf die Beine stellen. So auch am vergangenen Wochenende. An drei Tagen hintereinander standen die zahlreichen Akteure im Alter zwischen 6 und 84 Jahren auf der Bühne und boten ein abwechslungsreiches und kurzweiliges Programm, das die Lachmuskeln der vielen Besucher, die sich - oft in phantasievollen und ausgefallenen Kostümen - auch heuer wieder beim "Schmidbaur" im Gasthof zur Krone eingefunden hatten, gehörig strapazierte. Der Pfarrfasching, den Westendorfs ehemaliger Pfarrer Karl Kraus ins Leben gerufen hatte, fand heuer bereits zum 35. Mal statt und erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit bei den Westendorfern, aber auch Besuchern aus der näheren Umgebung. Die Beiträge stammen dabei von Vereinen und Gruppierungen aus der Pfarrei St. Georg Westendorf.

Pfarrgemeinderatsvorsitzende Marion Pröll hatte mit ihrem Team wieder ganze Arbeit geleistet, auch heuer war alles bestens organisiert. Zu Beginn begrüßte sie Schirmherr Pfarrer Andreas Jall und wünschte ihm, der politischen Prominenz aus Westendorf, Kühlenthal und Meitingen und den vielen Gästen einen vergnüglichen Abend und gute Unterhaltung. Dann gab sie das Wort an Conférencier Martin Schmid, der mit viel Witz, geschmeidig und sehr eloquent durchs Programm führte.

Den Auftakt machten die Powergirls & Kids Kühlenthal, die mit ihrer Tanz- und Hip-Hop-Einlage sofort für gute Stimmung im Saal sorgten. Die jungen Tänzerinnen und Tänzer konnten bei regionalen Wettbewerben und Festivals schon mehrere Preise gewinnen, wie Martin Schmid den Besuchern berichtete.

Weiter ging es mit den Ministranten von St. Georg, die heuer als Bauarbeiter, welche an der Renovierung der Westendorfer Pfarrkirche beteiligt waren, auf der Bühne standen. In gewohnt amüsanter Manier und sehr gewitzt erzählten sie vom Geschehen in der Pfarrei - unter anderem von den Weihwasser-Eskapaden des Pfarrers, dem Christbaumdiebstahl in Waltershofen und übertriebenem Weihrauch-Einsatz diverser Ministranten. Damit sorgten sie für viele Lacher im Publikum. 

Dann ging der Vorhang nochmal auf für die Powergirls & Kids & Teens Kühlenthal, die ihren Auftritt souverän meisterten und die Zuschauer zum Mitklatschen animierten. Besonders viel Beifall bekamen auch die "Fredys", die jüngsten Tänzer, die heuer bereits zum zweiten Mal einen Auftritt auf der Pfarrfaschings-Bühne hatten.

Es folgte ein echter Pfarrfaschings-Klassiker, eine Darbietung, die einfach nicht fehlen darf, nämlich die der "Ratschweiber" alias Inge Ihle, Georgia Kapfer, Maria Wiedemann und Genoveva Spann. Gemeinsam waren sie als Gemeindearbeiter beziehungsweise Passanten auf dem neuen "Multifunktionsplatz" in Westendorf unterwegs, tauschten Neuigkeiten rund ums Dorfleben und aus dem Pfarrhaus aus und trieben den Besuchern mit Anekdoten und ihren Plaudereien aus dem Nähkästchen die Lachtränen in die Augen. Genoveva Spann - in Westendorf liebevoll "Vev" genannt - wurde von Conférencier Martin Schmid besonders hervorgehoben und erntete großen Beifall vom Publikum: Seit vielen Jahren steht sie im Dienste der guten Unterhaltung auf der Bühne - seit 35 Jahren auf dem Pfarrfasching - zuvor schon auf anderen Faschingsveranstaltungen, sodass sie es insgesamt auf 65 aktive Bühnenjahre bringt. Doch das ist nicht das einzige Jubiläum, das es zu feiern gibt: Noch im Februar wird die Westendorfer Faschingsqueen 85 Jahre alt.

Es folgten die Jungs des VfL Westendorf. Sie sorgten mit ihrer schwungvollen Tanzeinlage - zunächst im Fußballerdress, dann als Cheerleader(innen) in kurzen goldenen Röckchen für ausgelassene Stimmung im Saal. Sogar eine Hebefigur hatten sie im Repertoire.

Dann hieß es Bühne frei für den Kirchenchor Westendorf, der in diesem Jahr einen musikalischen Beichtspiegel zum Besten gab. Die Sängerinnen und Sänger hatten festgestellt, dass Pfarrer Andreas Jall immer öfter einsam und verlassen im Beichtstuhl sitzt und niemand zum Beichten kommt. Das läge wohl daran, dass die 10 Gebote nicht mehr jeder im Kopf habe und so thematisierten die Chorsänger die Gebote und untermalten das ganze mit der passenden Musik. Dabei durften Songs wie "Rote Lippen soll man küssen", "Alles nur geklaut", "Ba-Ba-Banküberfall" und der "Kriminaltango" natürlich nicht fehlen. Letzterer wurde auch tänzerisch von Leo und Maria Wiedemann grandios in Szene gesetzt. 

Der nächste Programmpunkt entführte die Zuschauer in das Reich der Märchen: Die Damen des Gymnastikvereins Ostendorf brachten den Sketch "Die Ostendorfer Cinderella" auf die Bühne und ernteten mit der betont lässigen und coolen Art ihres Vortrags viel Applaus vom Publikum. Der sooooo schöööne Prinz wartete dabei nur auf das OK seiner Cinderella.

Für große Erheiterung und Bewunderung sorgte auch der Auftritt der Damen des Katholischen Frauenbunds, der eine ausgeklügelte Koordination verlangte. Mit unterschiedlichen, aber perfekt aufeinander abgestimmten Bewegungsabläufen, stellten sie verschiedene Berufe dar. Die Bewegungen waren dabei typisch für die jeweilige Tätigkeit - ob als Polizist, Sportler, Maler, Schreiner, Hausfrau, Tänzerin, Boxer oder Nonne - alles verlief reibungslos und ohne Zusammenstöße.

Es folgte der FCKW (Faschingsclub Kühlenthal Westendorf) mit seinem Programmpunkt "Gesundheitsreform". Die Darsteller wollten den Anwesenden dabei helfen, den "trägen Leib" und den "müden Geist" wieder zu stärken und die "negativen Schwingungen" in ihren Körpern zu überwinden. Sie lobten die Vorzüge des Eigenurins und sangen "A Glaserl Eigenurin gezapft vom Morgenstrahl, das ganze körperwarm, dann hilft's auf jeden Fall. Tut man's schlucken, einreiben, gurgeln oder inhalier'n, wird man sofort die Heilung spür'n." Stilecht ausgestattet, mit einem echten "Klohaisl" - inklusive Herzerl in der Tür - auf der Bühne, sorgten sie für Lachanfälle und Brüller im Publikum - erst recht, als sie noch damit anfingen, mit dem "ganz besonderen Saft" Zuschauer "einzureiben".

"Beim Eikoffa" waren zwei Damen der Freiwilligen Feuerwehr Waltershofen. Sie beschrieben äußerst treffend und sehr pointiert das "Leit ausricht'n" und was passiert, wenn man sich beim Einkaufen trifft. Vordergründig ist man überfreundlich und es werden Nettigkeiten und Komplimente ausgetauscht, doch kaum dreht die eine Person der anderen den Rücken zu, geht es los mit den Lästereien.

Trotz mittlerweile weit vorgerückter Stunde hatte noch kein Gast den Saal im Gasthaus Schmidbaur verlassen. Sie warteten auf den letzten Programmpunkt, der in jedem Pfarrfasching einen Höhepunkt darstellt: Die Zwerger-Mädels mit ihrem Beitrag „Im Auftrag Ihrer Trinität“. Gespannt lauschten die Besucher, was sich die drei jungen Damen in diesem Jahr hatten einfallen lassen. Zu Beginn traten sie als Bauarbeiter auf, um von den vielen Baustellen in Westendorf zu erzählen und zu singen. Dazu wurden bekannte Lieder wie „Griechischer Wein“ und „Eloise“ mit neuen Texten versehen. Nachdem Bruno Cartaggine als Engel Aloisius unter lautem Gelächter der Zuschauer geholfen hatte, aus den Bauarbeitern Engelein zu machen, erinnerten die drei Schwestern zu der Melodie von "Felicita" an Sebastian Schmidt, der bis zu seiner Priesterweihe im vergangenen Jahr als Praktikant in der Pfarrei war. Sie versprachen, ihn aus Buchloe raus zu holen, um ihn wieder in der Pfarrei zu haben. Und dann war es endlich soweit: Der Pfarrer wurde „derbleckt“, nach eigener Aussage das Hobby der drei Ladies, deren Eltern sich vor 35 Jahren auf dem ersten Pfarrfasching kennengelernt hatten. Neben dem jetzt mit 40 Jahren fortgeschrittenen Alter des Pfarrers, nahmen die Zwerger-Mädels ein paar seiner Schwächen aufs Korn. Am Schluss aber baten sie gesanglich den Pfarrer, noch weiter in Westendorf zu bleiben und keine Professur anzustreben. Der Lohn war ein lange anhaltender Applaus und ein zufriedener Pfarrer.

An allen drei Tagen sorgte der Musikverein Westendorf für beste Stimmung im Saal. Mit fetziger Unterhaltungsmusik und beliebten Medleys, die zum Mitsingen und Schunkeln einluden, hielten die Musiker das Publikum in Schwung.

Pfarrer Andreas Jall dankte am Ende den vielen Beteiligten, die zum Gelingen des Pfarrfaschings beigetragen hatten und ohne deren Engagement die Durchführung einer solch gelungenen Veranstaltung nicht möglich gewesen wäre: Der Hauptverantwortlichen Marion Pröll, den vielen Helfern im Hintergrund, Peter Domagalski und Christoph Sommer, die für die Technik verantwortlich waren, aber auch den zahlreichen Akteuren, die wieder ein tolles Programm auf die Beine gestellt haben, der Familie Schmidbaur für die Gastfreundschaft und gute Versorgung und nicht zuletzt den vielen Besuchern des Pfarrfaschings.

Ein weiteres Dankeschön ging auch an Wally Reißner und Heidi Bobinger, die in Handarbeit ein neues, farbenprächtiges Bühnenbild gefertigt hatten.

Conférencier Martin Schmid animierte dann noch dazu, sich jetzt schon Gedanken über ein Programm für den Pfarrfasching 2018 zu machen, der bereits vor der Tür stünde und wünschte zum Abschied allen "Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch!".

Dann ging es in einer Polonaise - angeführt von Pfarrer Andreas Jall - kreuz und quer durch den Saal. Es wurde bis in die frühen Morgenstunden gefeiert.

Der Pfarrfasching war auch heuer wieder ein besonderes Highlight für alle Beteiligten und ein Besucher bemerkte sehr treffend: "Da steckt Herzblut drin. Das merkt man."